VON DONHOFER. UND HEMMA MARLENE PRAINSACK
Der österreichische Maler und Aktionskünstler donhofer. bietet im Rahmen dieser Ausgabe mit ausgewählten Werken einen Einblick in das breite Spektrum seines Schaffens. Im Gespräch mit der ZUKUNFT verhandelt donhofer. die Gegenwärtigkeit der Kunst und wie er Positives aus einer Krise ziehen kann: Er beansprucht den öffentlichen Raum für Aktionskunst.
Hemma Marlene Prainsack: Wir haben Dich gebeten, die Bildstrecke für die Anthropologie-Ausgabe zu gestalten. Das Ölgemälde DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS hast Du für das Cover ausgesucht, es zeigt einen Mann mit Tablet auf dem Kopf und dem gemalten Satz „Wir sitzen hier mitten im Kriegsgebiet aber wir bekommen nichts davon mit. Dann zeigte er ihr seine Schmetterlingssammlung.“ Damit und mit dem Titel legst Du dem Betrachter schon eine Interpretation Deines Bildes vor und richtest seinen Fokus. Wie wichtig ist es Dir, die Betrachtenden zu führen?
donhofer.: Man könnte meine Arbeiten mit Funken vergleichen. Der Flächenbrand soll in den Köpfen stattfinden.
H. M. P.: Dein in unserer Bildstrecke enthaltenes Werk SMART SOCIETY befindet sich in der Landessammlung Niederösterreich. Einige Deiner Arbeiten wurden bereits von der Landessammlung angekauft. Für Künstler*innen sind Sammlungen und Ausstellungen essenziell für ihre Sichtbarkeit und ihr Renommee. Welche Aufgabe kommt Kurator*innen zu, die Vielfalt der zeitgenössischen bildenden Kunst Österreichs entsprechend widerzuspiegeln?
donhofer.: Entfernt die Komfortzonen aus den Ausstellungen. Streicht mindestens 30 % der erwartbaren Namen, bevor ihr überhaupt anfangt zu kuratieren. Ladet nicht die ein, die ohnehin schon da sind – weder in Katalogen noch in Jurys noch in den immer gleichen Gesprächen nach den Eröffnungen. Wenn euch bei einer Auswahl sofort jemand einfällt, der „gut passen würde“, ist das genau der Moment, in dem ihr ihn hinterfragen sollt. Kuratieren ist keine Pflege von Beziehungen, sondern eine Störung von Gewohnheiten. Die Gegenwartskunst in Österreich ist kein kleiner Kreis – sie wird nur oft so behandelt. Ich denke Kurator*innen sollten da nach Kunst suchen, wo Ihre WhatsApp-Freundesliste endet. Das gilt im Übrigen auch für Galerist*innen.
H. M. P.: Welche Maßnahmen und Strategien seitens Kulturpolitik und Kunsteinrichtungen sind Deines Erachtens notwendig, damit Österreich zu einem Land der aktiven Sammler*innen zeitgenössischer, österreichischer Kunst werden kann?
donhofer.: Österreich hat kein Sammlerproblem. Es hat ein Problem mit Gegenwart. Gegenwart ist hier etwas, das man höflich zur Kenntnis nimmt – aber selten wirklich ernst nimmt. Vor allem in der Kunst. Sie wird gezeigt, gefördert, katalogisiert. Und dann wartet man ab, ob sie irgendwann wichtig war. Und das ist der springende Punkt: Wichtig ist sie oft erst im Nachhinein. Wenn sie schon ungefährlich geworden ist. Wenn sie in Bücher passt. Solange das so bleibt, wird auch niemand wirklich sammeln. Warum sollte man etwas wollen, das im Moment seines Entstehens schon so behandelt wird, als wäre es eigentlich schon vorbei?
Die Institutionen machen es sich dabei ziemlich bequem. Viel Sichtbarkeit, wenig Risiko. Viel Programm, wenig Reibung. Kunst wird verwaltet, nicht zugemutet. Und genau da passiert der Bruch: Sammlung entsteht nicht aus Wohlwollen oder Förderung – so wie es zum Beispiel im Fürstentum Niederösterreich seit Jahrtausenden gelebte Praxis ist. Sammlung entsteht aus einem Verhältnis. Aus dem Gefühl, dass etwas einen betrifft, vielleicht sogar stört, jedenfalls nicht egal ist. Wenn Kunst nichts auslöst außer Zustimmung oder höflichem Interesse, bleibt sie Inventar. Kein Besitz, der etwas bedeutet. Vielleicht ist das eigentliche Problem also nicht, dass zu wenig gesammelt wird. Es passiert einfach zu wenig.
H. M. P.: Wie berechnend darf Kunst sein?
donhofer.: In meinem Fall ist es eine Frage der Quadratmeter: Länge x Breite x 5000 bzw. bei SIGNATURE COLLECTION x 16000
H. M. P.: Du hast in den vergangenen Jahren bei Deinen Kunstaktionen für großes mediales Aufsehen gesorgt – mit DAS GROSSE GESCHÄFT hast Du vor der Signa-Zentrale eine „Heisl“-Kunstauktion veranstaltet, bei der Anleger*innen mit Rene-Blanko-Schecks eine bodenlose Insolvenz ersteigern konnten. Nur wenige Tage vor den Thüringer Landtagswahlen und zum Jubiläum 75 Jahre Grundgesetz hast Du in Erfurt mit der Kunstaktion DEMOKRATIE die Fragilität demokratischer Strukturen demonstriert und mitten am Willy-Brandt-Platz die gesellschaftliche Teilhabe auf die Probe gestellt. Deine Intervention hat starke Reaktionen ausgelöst, Du hast Dich ihnen unmittelbar ausgesetzt. Warum?
donhofer.: Weil ich denke, dass es wichtig ist, Haltung zu zeigen. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die für Ihre demokratischen Werte einsteht, die Machtstrukturen kritisch hinterfragt und wo Korruption keine Chance hat.
H. M. P.: Braucht Aktionskunst, die aus Unmittelbarkeit und Reaktionsfähigkeit entsteht, einen gesetzten Rahmen zum Schutz?
donhofer.: Ganz im Gegenteil – Aktionskunst sollte in meinen Augen da passieren, wo niemand mit Kunst rechnet. Sie muss schutz- aber nicht hilflos sein. Nur dort sind die Emotionen unverfälscht. Der öffentliche Raum ist mein Lieblingsort für Aktionskunst.
H. M. P.: Du hast Deine Aktion DEMOKRATIE auch für die USA konzipiert, aus Gründen der Auflagen ist dieses Vorhaben allerdings gescheitert. Wie könnte DEMOCRACY in den USA funktionieren?
donhofer.: Wenn man sie börsennotiert! (lacht)
H. M. P.: Gegenwärtige Krisen und Herausforderungen – wie sehr spielen sie in Dein Schaffen hinein? Ziehst Du daraus eher Inspiration oder Resignation als Künstler? Was machen die spürbare Klimakrise oder die Umwälzung des Arbeitsmarktes durch KI mit donhofer.?
donhofer.: Zum einen habe ich 11 % der Fragen von der KI beantworten lassen und zum anderen macht ein Teil meiner Kunst nur da Sinn, wo sie wach- und aufrütteln kann. Insofern kann ich Krisen auch etwas Positives abgewinnen. Schönheit kann sich auch in hässlichen Zuständen und Zeiten etablieren. In dieser ZUKUNFT-Ausgabe präsentiere ich daher Arbeiten, die schön hässlich sind.
H. M. P.: Was packt donhofer. in das LOUIS VUITTON SPACE CASE und wohin geht die Reise?
donhofer.: In das LOUIS VUITTON SPACE CASE packe ich unbändige Neugier, Leidenschaft, sieben paar Kunstkataloge, 25000 Blatt Papier mit unterschiedlicher Grammatur, einen roten Farbstift den man nie spitzen muss, 2-3 Kilo Inspiration, 52 Rollen Leinwand, meine Kamera, einen 12-Farben-Drucker, jede Menge Café, verschiedene Arten Brillen: eine, die den Blick auf das Schöne freigibt, eine, die schön ist (wahrscheinlich eine Tom Ford), eine, die Tag und Nacht auflöst, eine andere für Mut und Motivation und eine, die zeigt, was ist, einen Spiegel der spricht und 8-10 Sträuße frisch geschnittener Blumen (die kann man immer brauchen), Wasser für die Blumen, Cuba libre für mich, 3 Flachpinsel und 5 Borstenpinsel in verschiedenen Größen, sämtliche Farben, eigentlich alle Farben und last but not least, donhofer. Rot®.
DONHOFER.
ist ein österreichischer Aktionskünstler und Maler, dessen Werk die Grenzen zwischen bildender Kunst und Performance auslotet. In seinen Arbeiten spielen performative Elemente, räumliche Interventionen und die aktive Einbindung des Publikums eine zentrale Rolle. Thematisch reflektiert donhofer. die sozialen und politischen Strukturen des 21. Jahrhunderts, wobei Macht, Dekadenz, Geld und Medien wiederkehrende Leitmotive bilden.
